Dialogos '99 Report
mad/os

Mit welchen Erwartungen geht man zu einer Scene-Party? Sucht man nach einem halben Duzend Biertischen mit Leuten, die sich über längst vergangene Tage unterhalten? Oder erwartet man Scheinwerferkegel, die in den Himmel strahlen und von hämmernden Bässen begleitet werden? Ich jedenfalls hatte keine Ahnung, was mich auf der Dialogos erwarten würde.

Die Fahrt war lange geplant, und so machten wir uns am ersten Oktober auf den Weg nach Jena. Was wir nach einigen Irrwegen fanden, war ein ausgedientes Umspannwerk. Nicht sonderlich einladend, aber dieser Eindruck änderte sich bald. Das Innere der Halle, die sonst für Disko's genutzt wird, war einfach fantastisch! Riesige Isolatoren, Laufstege und Kabel sorgten zusammen mit der professionellen Beleuchtung für die einzigartige Stimmung und das Gefühl, hier genau richtig zu sein.

Die Gruppe Suburban (siehe Interview mit Crossbone) hat die Dialogos, übrigens die zweite ihrer Art, gut vorbereitet. Massive Tische und Plastikstühle dienten den über 200 Partywilligen als Ablage für Coladosen, Chips, CD's und natürlich ihre Computer. Auf den ersten Blick ein wildes Durcheinander, verbunden durch unzählige Stromleitungen und abenteuerliche Netzwerkkabel.

Und das, was im Netz passierte, war genauso interessant. Ein speziell eingerichteter Chat sorgte für interessante Kontaktmöglichkeiten. Irgend jemand benötigte eine leere Diskette. Die zweite Frage, die dann gestellt wurde, war: "An welchem Tisch sitzt du?" Es wurden, obwohl es sich nur um ein 10 Megabit Netz handelte, gigabyteweise Daten kopiert. Demos, Diskmags und alles, was einen Scener interessiert. Ganze Festplatteninhalte fanden neue Besitzer - einschließlich aller MP3's und Videos...

Im Netz wurde natürlich auch gespielt, aber das war interessanterweise die Ausnahme. Die meisten hatten alle Hände voll zu tun, um ihr Grafikdemo, Intro oder ein Musikstück für die Competitions fertig zu stellen. Die Suprise-Compos trugen ebenfalls ihren Teil zur allgemeinen Betriebsamkeit bei. Egal, wohin man sah, man blickte immer auf mindestens ein Duzend hektisch flackernde Monitore. Darunter auch viele bekannte Namen wie zum Beispiel Kolor, Kritix, Litewerx und Numb.

Dann war es so weit und die ersten Competitions wurden gezeigt - auf zwei beeindruckend grossen Leinwänden. Nicht nur das Bild war überwältigend, auch der Sound war schlicht und ergreifend "hammerhart". Ein gutes Grafikdemo in dieser Atmosphäre; kann es etwas schöneres geben? Und manch einer wollte seine Gefühle nicht für sich behalten. "Ficken!" lautet der altbekannte Schlachtruf, der auch auf der Dialogos wiederholt erschallte.

Wirklich beschreiben kann man es nicht. Man muss es einfach erleben. Die Menschen, den kostenlosen Kaffee, das aufwendig gedruckte Party-Magazin, das Mitagessen aus der Gulaschkanone, die Aufregung und das Chaos bei den Compos, die Preisverleihung, die neugierigen Besucher, die neuen Freunde und Bekanntschaften, die Enttäuschung über den verdienten letzten Platz, der Spaß und nur sechs Stunden Schlaf am gesamten Wochenende. Das ist Scene 'in real life'.

Mein Fazit? Ich bin wieder dabei!

...erlebt von mad/os